Schutz vor Lichtverschmutzung in Königswinter

24. November 2025 | Pressemitteilung

BUND erinnert an Vorgaben

23.11.2025: In die aktuell Diskussion um die Verlängerung der Zeiten für die Straßenbeleuchtung in Königswinter schaltet sich nun auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit seiner Kreisgruppe Rhein-Sieg ein. Der Verband hatte schon mehrfach auf den hohen Wert der Dunkelheit für den Schutz der menschlichen Gesundheit und der biologischen Vielfalt hingewiesen. 
„Ganze Regionen werben anderswo in Deutschland mit der durch Dunkelheit geschaffenen Lebensqualität. Fulda gilt als Musterbeispiel, der Sternenpark Rhön ist eine Qualitätsmarke. Königswinter dagegen diskutiert aktuell ein Rollback zu mehr schädlichem Kunstlicht in der Nacht.“, kritisiert der BUND-RSK-Sprecher Achim Baumgartner. Andere Bundesländer wie z.B. Baden-Württemberg oder Hessen und andere Staaten wie z.B. Frankreich gehen mit Kunstlicht inzwischen deutlich bewusster und verantwortungsvoller um. Am Ende spart der Schutz der Dunkelheit sogar bares Geld. Das ist eine Win-Win-Situation, die eigentlich ein Selbstläufer bei allen Kommunen sein müsste, die ihrerseits gehalten sind, ihre Haushaltsmittel sparsam und sinnvoll einzusetzen.

Der BUND weist ergänzend auf einige formale Aspekte hin, die bei der Diskussion um mehr Kunstlicht im Straßenraum von Königswinter - insbesondere am Rheinufer und in der Umgebung des Siebengebirges - zu beachten sind. Betroffen sind nämlich nicht nur die Menschen, die vielfach mit Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf nächtliches Kunstlicht reagieren, sondern eben auch die geschützten Tiere in den Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH) „Siebengebirge“, „Basaltsteinbrüche Hühnerberg und Eudenberg / Tongrube Eudenbach“, „Komper Heide“ und „Fischschutzzone Rhein“.

Da die negativen Wirkungen des Kunstlichten viele hunderte Meter weit ausstrahlen, bedarf es vor einem möglichen Rollback einer FFH-Verträglichkeitsprüfung und der Alternativenprüfung. Denn dass die Beleuchtung erhebliche negative Auswirkungen auf Insekten, Fische, Fledermäuse und viele andere Organismen der europäischen Schutzgebiete entfaltet, ist unstrittig. Von einer solche Prüfung, die zwingende Voraussetzung wäre, ist bislang nichts bekannt geworden.

Gleiches gilt für das gesamte Stadtgebiet von Königswinter mit Blick auf das Artenschutzrecht. Ob und wo geschützte Arten des FFH-Anhanges IV betroffen sind, wäre zunächst aufzuarbeiten.

Der Schutz der Biologischen Vielfalt ist gesellschaftliche Pflichtaufgabe. Das Artensterben wird nur gestoppt, wenn es in den täglichen Einzelentscheidungen beachtet und zu einem relevanten Maßstab von Planungen wird.

 

Hintergrund:

In der wissenschaftlichen Literatur werden Mindestabstände von Kunstlichtleuchten zu Vegetationsflächen von 25 Metern und zu Gewässern von 40 Metern und wenigstens ein Netto-Null-Ausgleich bei neuer „Lichtverschmutzung“ eingefordert. Jede Lichtlast ist verheerend. Denn selbst die Insekten- und Fledermausarten haben bestimmte Flugzeiten und so betrifft selbst eine Beleuchtung, die schon um 21:00 oder 22:00 Uhr abgeschaltete wird, immer noch manche Insektengruppen und Fledermausarten mit voller Härte.
Ein Lampenlichtspektrum, das keine Tiergruppe belastet, gibt es nicht. Und Fische und Wasserinsekten reagieren sogar unabhängig vom Spektrum extrem stark auf Kunstlicht.
Licht verändert Räuber-Beute-Gefüge, den Bio- und Schlafrhythmus und die Orientierung der Tiere. Selbst schwaches Licht kann extreme Lockwirkungen entfalten, etwa auf Glühwürmchen.

Die extreme Lockwirkung des Lichts auf manche Arten, man spricht vom „Staubsaugereffekt“, wirkt in die Schutzgebiete über viele hunderte Meter weit hinein und schon eine einfache Straßenbeleuchtung kann damit zur Barriere für die Ausbreitung werden, weil die Lichtmauer der Leuchtenreihe nicht überwunden wird. Licht entlang der Straßen kann die Kollisionsgefahr z.B. mit Zwergfledermäusen und Fahrzeugen erhöhen und manche Amphibien im Lichtkegel gefangen halten.

https://www.biosphaerenreservat-rhoen.de/natur/sternenpark-rhoen

https://www.sternenstadt-fulda.de/

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/kuenstliches-licht-als-gefahr-fuer-die-gesundheit-159882/

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