BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg

BUND warnt vor „klimastabilen“ Exoten im Stadtgrün - Nur „klimaaktive“ Bäume verhindern Hitzestau!

02. November 2020 | Pressemitteilung

Kein Platz mehr für großkronige Bäume. Der exotische Amberbaum soll hier für die grüne Staffage sorgen (Freiburg).

Der Herbst ist Pflanzzeit. Zahlreiche, gerade jüngere Bäume in der Stadt haben die Trockenheit der letzten Jahre nicht gut überstanden und werden nun ausgetauscht. Ein Wechsel bei der Artenauswahl hin zu exotischen Arten wäre indes fatal. Darauf weist der BUND Rhein-Sieg-Kreis hin.

Stadtbäume haben zwei wesentliche Aufgaben zu erfüllen. Sie sollen das Kleinklima für uns Menschen wirksam verbessern indem sie große Kronen ausbilden und damit wirksam Staub filtern und hohe Verdunstungs- und Photosyntheseleistungen erreichen. Außerdem helfen sie mit, der Natur in der Stadt in der dritten Dimension trotz Platzmangels noch einen Lebensraum zu gewähren.

Um diese Leistungen aufbauen zu können, benötigen Stadtbäume ausreichend große Standräume und ein hinreichendes Wasserangebot. Es lohnt daher kaum, in den meist zu kleinen Standräumen bzw. Baumscheiben, umgeben von wasserabweisender Vollversiegelung, nun solche exotischen Arten zu etablieren, die zwar wegen geringerer Klimaleistungen besser überleben, dafür aber zum Stadtklima und zur Stadtökologie fast nichts mehr beitragen. Die ausgewählten „klimastabileren“ Exoten, z.B. Gingko, Amberbaum, Baumhasel oder Zerr-Eiche benötigen ja nicht einfach weniger Wasser, sondern sie vermindern zum Schutz vor Trockenheit vor allem ihre Klimaleistungen. Sie verdunsten weniger, bleiben kleiner, reduzieren ihre Photosynthese. Überspitzt formuliert: Als „Wüstenbäume“ nimmt ihre Bereitschaft deutlich ab, ein kühles, feuchtes Stadtklima mit aufzubauen, obwohl sie für diese Leistungen eigentlich gepflanzt werden.

Doch sie leisten nicht nur weniger. Diese Arten in der Stadt zu etablieren, birgt das Risiko, dass sie nach und nach invasiv in die freie Landschaft vordringen. Dort bereiten exotische Arten wie der Kirschlorbeer, der Götterbaum, die Robinie, die Rot-Eiche, das Indische Springkraut, die Herkulesstaude, der Sommerflieder, die Späte Traubenkirsche oder der Japanische Knöterich auch heute schon genügend Probleme. Das direkte Ausbringen von Exoten in der freien Landschaft ist gemäß § 40 Bundesnaturschutzgesetz verboten, die indirekte Ausbreitung über die Artenwahl im Stadtgrün mit anzulegen, steht dem Ziel des Paragraphen, die heimische Natur zu schützen, aber ebenfalls entgegen. Exoten sind für die heimische Tierwelt, insbesondere für die phytophagen, also pflanzenfressenden Insekten, nahezu bedeutungslos. Wir beschleunigen also das Artensterben der Insekten, wenn wir in der Stadt den Lebensraum für diese Tiergruppe noch weiter einschränken und Bäume mit stark geminderten Lebensraumfunktionen pflanzen. Exoteneinsatz unterstützt also das Insektensterben.

Zur Lösung des Konfliktes ist es notwendig, Stadtgrün neu zu denken und dafür auch viel Geld investieren. Wir müssen die Praxis der „Wegwerfbäume“, die nach 50 Jahren ihren Blumentöpfen in der Fußgängerzone entwachsen sind und absterben, beenden. Baumstandorte müssen so gewählt bzw. baulich aufzubereiten werden, dass dort wieder heimische Großbäume heimischer, klimaaktiver Arten ein Auskommen finden und mehrere hundert Jahre alt werden können. Dafür brauchen Bäume deutlich mehr Platz in der Stadt.

Es ist notwendig, die Bäume konzeptionell so anzuordnen, dass sie gemeinschaftlich ein feuchteres Kleinklima aufbauen können und
Niederschlagswasser so zurückzuhalten, dass es in den Boden eindringen und dort über die Verdunstungsleistung der Bäume für ein kühles Stadtklima wirksam werden kann.

Klimaanpassung in der Stadt ist also gerade nicht, auf exotische „Wüstenbäume“ zu setzen, die ihre Klimaleistungen quasi einsparen, sondern „klimaaktiven“, heimischen Laubbäumen einen Lebensraum zu eröffnen, damit das Klima für uns Menschen in der Stadt erträglich bleibt.

Kommunen, die dem „Bündnis für Biologische Vielfalt“ beigetreten sind, haben sich im besonderen Maße verpflichtet, klimarelevante und ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Selbstverpflichtung sich in den Alltagsentscheidungen durchsetzt.

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