BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg

Einschlagstopp unumgänglich, Dialog bitter nötig!

26. Juli 2020 | Borkenkäfer, Klimawandel, Landwirtschaft, Lebensräume, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Wälder

Der massive Einschlag der Borkenkäferfichten ist ein Irrweg.

Aufgrund des Borkenkäfers gefällte Fichten.  (BUND Rhein-Sieg)

Der Glaube lokaler Förster, dass mit dem Einschlag hunderter und tausender Hektar Forstfläche noch verbliebene Fichten für etliche weitere Jahre vor einem Befall gerettet werden könnten, war unbegründet. Frühere Erfahrungen aus punktuellen Sturmereignissen der letzten Jahrzehnte lassen sich auf einen tiefgreifenden Klimawandel eben nicht übertragen. In den nun allseits geschwächten Fichtenbeständen entwickelt sich der Borkenkäfer nämlich flächendeckend und losgelöst von den ersten Schwerpunkten einer Käferentwicklung. Weder die klaren Hinweise der Klimaforscher noch die Appelle der Naturschutzverbände oder gar die staatlichen Naturschutzbehörden haben bislang die auf die Borkenkäfer folgende Zerstörungswelle durch den Kahlschlag der Forstwirtschaft aufhalten können. Selbst in FFH-Gebieten oder gar in FFH-Gebieten mit dort angesiedelten staatlichen Naturschutzprojekten (Life+-Projekt in den Villewäldern oder Naturschutzgroßprojekt chance.7 im Siebengebirge) unterlagen naturschutzfachliche Zielsetzungen der fixen Idee des „rettenden“ Großeinschlags. Das ist insofern bemerkenswert, weil auch im Forstgesetz des Landes größere Kahlschläge wegen der erheblichen negativen Umweltwirkungen regulär verboten sind und das Dauerwaldkonzept (als Alternative zum Altersklassenforst) und der Wert der Naturverjüngung eigentlich von vielen Förster*innen und vom Land NRW mitgetragen werden.

Nun stehen öffentliche wie private Waldbesitzer vor einem Scherbenhaufen. Die toten Fichten als Wetterschutz und Basis einer leichteren Wiederbewaldung sind bereits großflächig abgeräumt. Die wertvollen Böden, deren Qualität über die Lebensaussichten des zukünftigen Waldes entscheidet, sind großflächig verdichtet, zerstört oder starken Witterungsschwankungen ausgesetzt. Die Naturverjüngung typischer Arten des Dauerwaldes ist auf den Kahlschlagflächen erschwert. Die den Kahlschlägen benachbarten Laubbäume leiden zusätzlich unter dem Klimastress, der von den großflächigen Kahlschlägen mit seinen thermischen Aufwinden ausgeht. Förderprogramm sollen Geld für neue Maschinen bereitstellen, die kein Mensch braucht. Denn die Armada der Harvester taugt nicht für den Wald der Zukunft, den Dauerwald mit einer einzelstammweisen Baumnutzung.

Gefragt sind aktuell zwei wesentliche Dinge: Ein Stopp des Kahlschlags, der ein Irrweg ist, und ein breiter Dialog, der neue Wege aufzeigen könnte.
Ein Dialog, ohne einen Stopp des Kahlschlags, so wie er in Bad Honnef aktuell betrieben wird, ist eben kein Dialog. Er gleicht einem Hinhalten, bis abschließend vollendete Tatsachen geschaffen worden sind.

Der neuerliche Hinweis auf die Nationalparkdiskussion für das Siebengebirge macht diese enormen Defizite sichtbar. Er verrät, dass es andere Wege gibt, als das Siebengebirge (und all‘ die anderen FFH-Gebiete) sinnlos zu zerstören. Wir brauchen einen Diskurs um neue Lösungen in einer Welt des Wandels.

Es liegt nahe, dass in den Randlagen der großen Ballungsräume, in den FFH-Gebieten und in Wäldern in öffentlichem Eigentum die Gemeinwohlaspekte des Waldes ganz vorne stehen sollten: der Schutz des Bodens und des (Grund-) Wassers, der Hochwasserschutz, der Aufbau von Kaltluftgebieten, der Arten- und Naturschutz und eine Natur wahrende Naherholung. Ob im Laufe eines solchen Diskurses ein vielleicht diesmal z.B. von lokalen Trägern selbst verwalteter Nationalpark Siebengebirge oder Siebengebirge / Bergisches Land steht oder ein anders konzipiertes Schutzkonzept, mag offenbleiben. Aber die Zerstörung der Schutzgebiete durch den Kahlschlag muss ein schnelles Ende finden und der Dialog um die Zukunft unserer Wälder muss auch vor Ort geführt und gelöst werden, jetzt. Diesen Dialog mit Ideen zu befördern, ist richtig.

Kontakt
BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg, Achim Baumgartner (Sprecher), Tel.: 02241 145 2000, Achim.Baumgartner(at)bund-rsk.de

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