03. März 2020
BUND streitet für den FFH-Gebietsschutz – kein Freibrief für maßlose Kahlschläge
Der BUND hat heute gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichtes Köln vom 25.9.2019, übermittelt am 26.9.2019, den Einschlag von zunächst 65 ha Fichtenflächen im Bad Honnefer Stadtwald im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) Siebengebirge nicht zu stoppen, Beschwerde eingelegt. Aus Sicht des BUND ist es ausgeschlossen, dass der Einschlag von so großen Flächen keine Beeinträchtigungen des FFH-Gebietes auslösen könne.
Der BUND fordert die Durchführung einer Verträglichkeitsprüfung, um Beeinträchtigungen des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes vermeiden und mindern zu können. Der aktuelle und auch nicht flächig begrenzte Einschlag leitet sich nicht aus dem Waldpflegeplan oder dem Projektentwicklungsplan für das Naturschutzgroßprojekt chance7 ab. Eine fachliche Abstimmung auch mit den Naturschutzverbänden, wie in der Naturschutzgebietsverordnung festgelegt, fand und findet nicht statt.
Negative Auswirkungen sind in vielfacher Hinsicht für das Schutzgebiet zu befürchten: So zerstört der massive Maschineneinsatz mit Harvestern die Waldböden. Im konkreten Fall werden wenigstens 20 ha Waldboden dauerhaft verdichtet und zu Fahrgassen degradiert. Ihre Wasserspeicherfähigkeit als Basis späterer Laubwälder nimmt dadurch erheblich ab. Hohe Stickstoffeinträge und Niederschlagswasserabflüsse gefährden die Tierarten der Bäche (Groppe, Bachneunauge, Steinkrebs), über den Lauterbach steigt damit auch das Hochwasserrisiko im Pleisbachtal insgesamt. Der größte Einzeleinschlag ist 30 ha groß! Der schlagartige Verlust der Fichten führt außerdem zu einer großflächigen Freistellung der geschützten Buchen-Laubwälder, die darauf extrem empfindlich mit hohen Ausfällen reagieren. Direkt oder indirekt sind dadurch auch viele Arten z.B. der Fledermäuse und Spechte betroffen.
Dass hier die Forstverwaltung die Grundsätze der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft aufgibt, wird auch unabhängig von der rechtlichen Würdigung deutlich. Es ist wichtig, dass auch die Kommunalpolitik selbst die Notbremse zieht. Die Borkenkäfer bieten mit ihren Aktivitäten eine riesige Chance, den Wald insgesamt naturnäher aufzustellen. Die Räumung der Fichten mit schwerem Gerät und eine Förderung der Douglasie schaden der Natur im Bad Honnefer Stadtwald dagegen nachhaltig. Nach instabilen Fichtenmonokulturen, ökologisch schwierigen Altersklassenwäldern mit Kahlschlagwirtschaft und brandgefährlichen Kiefernforsten sorgen Förster nun bundesweit mit dem ungesteuerten Einschlag von Borkenkäfer-Bäumen und der Förderung von Exoten wie der Douglasie für eine vierte ökologische Fehlzündung im Wald.
Der BUND dankt dem Vogelschutz-Komitee für die bisherige finanzielle Unterstützung des Rechtsstreites.
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