03. März 2020
Nahezu alle Kommunen begründen die Ausweisung neuer Baugebiete aktuell mit dem Schlagwort des "günstigen Wohnraums", der in der Region fehle. Nicht erwähnt werden dabei allerdings die erheblichen politischen Fehlentwicklungen, wie der Verkauf des öffentlichen Wohnungsbestandes und die Gestaltung der Bebauungspläne durch private Investoren.
Nach wie vor bestimmen private Investoren zu großen Teilen die Art der neu gebauten Gebäude. Da der niedrige Kreditzins teure und hochwertige Immobilien mit einer hohen Gewinnspanne zu Lasten niedriger Baukosten besonders attraktiv für sie macht, haben sie wenig Interesse daran, günstigen Wohnraum zu schaffen.
Wenn die Kommunen tatsächlich "günstigen Wohnraum" schaffen wollen, dabei aber den zunehmenden Leerstand, der sich aus der demographischen Entwicklung im Kreisgebiet ergibt, nicht vorrangig nutzen wollen, sollten sie sehr kritisch prüfen, ob ihre aktuellen Pläne für neue Baugebiete dem selbst gesteckten Ziel entsprechen.
Um günstigen Wohnraum durch Neubau zu schaffen, sind folgende Punkte von besonderem Interesse. Sie können zwar nicht alle gleichzeitig erfüllt werden, verraten aber viel über planerische Zielsetzungen:
- Hohe Qualität der Gesamtplanung und der Planung im Hochbau
- Bauen in kommunaler oder genossenschaftlicher Eigenregie
- Bauen ohne Keller, da die Erdarbeiten und der Keller einen hohen Kostenanteil ausmachen
- Verdichtetes Bauen jenseits der Reihenhaus- und Doppelhausgestaltung. Mustersiedlungen werden regelmäßig ausgezeichnet und vorgestellt.
- Kostengünstige, effiziente Erschließung sowie autofreie Erschließung
- Fertigbauweise oder industrielle und serielle Teilfertigung
- Gemeinschaftliche Energieversorgung
Gerade die kommunalpolitischen Vertreter in den Räten sind aufgerufen, die laufenden Bebauungsplanverfahren kritisch zu prüfen und entsprechend der eigenen Zielvorgabe zu gestalten.
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